Big-City & Local Life Ho-Chi-Minh-City

Nachdem wir im Februar 2017 das erst Mal auf unserer Weltreise in Vietnam waren und den Norden bereist haben, stand im Mai 2017 der zweite Besuch dieses wunderbaren Landes an. Von Kambodscha ging es mit dem Bus direkt in die Metropole des Südens. “Auf nach *Ho-Chi-Minh-City!” In der größten Stadt des Landen haben wir 11 Tage verbracht und die Stadt leben und lieben gelernt.

Besonders an diesem Aufenthalt war unsere Begegnung mit Vanni. Über eine Freundin aus Deutschland wurde uns der Kontakt zu Vanni hergestellt – das sollte sich sowas von lohnen. Zwei Tage ist die liebe Vanni mit uns durch die Stadt gezogen, hat uns die coolsten Plätze der Stadt gezeigt und sich viel Zeit genommen uns alles ausführlich zu erklären oder erzählen. Unzählige Informationen zum Leben in Vietnam, die in keinem Reiseführer zu finden sind, hat sie uns gegeben. Die besten Localfood-Läden durften dabei natürlich auch nicht fehlen.
Es war etwas ganz besonderes, die Infos aus erster Hand zu bekommen und noch dazu von Jemandem in unserem Alter, der auf freundschaftlicher Basis, Spaß daran hat über sein Land zu berichten. Als i-Tüpfelchen spricht Vanni auch noch Deutsch (sie studiert in HCMC die deutsche Sprache).

Das wollen wir natürlich nicht für uns behalten. Daher war klar, dass Vanni die perfekte Interview-Partnerin für unser “Ho-Chi-Minh-City local interview” ist.

Ho-Chi-minh-City | local interview

– Vanni und Jenny auf der Rooftop-Bar “Saigon Trade Center” –

ÜBER DICH:

Name: Thanh Van Vo
Alter: 21
Wohnort: Ho-Chi-Minh-City
Beruf: Studentin
Hobby´s: Filme, Fußball, gutes Essen, Reisen
Letztes Reiseziel: Kuala Lumpur, Malaysia
Nächstes Reiseziel: Da Nang, Hoi An, Hue (Vietnam)
Traum Reiseziel: Europa

 

Direkt als Erstes: Wie kommt man auf die Idee, deutsch in Vietnam zu studieren?

  • Am Anfang wollte ich einfach nur eine neue Sprache lernen, asiatische Sprachen sind mir zu kompliziert und gar nicht interessant. Ich habe schon ein bisschen Englisch und Französisch in der Oberschule gelernt, daher habe ich Deutsch ausgewählt. Ich bin der Meinung, dass Deutschland ein großes Land ist und eine große Volkswirtschaft hat. Wenn man Deutsch in Vietnam gut beherrscht, öffnet es einem gute Berufsmöglichkeiten z.B. als Reiseleiter oder Lehrerin.

Was willst du später mit deinem Studium machen? In welche berufliche Richtung soll es gehen?

  • Ich will noch etwas Neues lernen. Ich interessiere mich für nachhaltige Entwicklung (Sustainable development) und würde gerne eine Weiterbildung in diesem Bereich in England machen. Außerdem würde ich generell auch gerne was mit Umweltschutz machen, wahrscheinlich bewerbe ich mich um eine Freiwilligen-Position bei der UNO in Genf.

 

HO-CHI-MINH-CITY

Wir waren im Februar 2017 schon mal in Vietnam, sind von Da Nang aus in Richtung Hanoi und bis in die Halong Bay gereist.
Wo liegt deiner Meinung nach der Unterschied zwischen Nord- und Süd-Vietnam?

  • Ich war noch nie im Da Nang oder im Norden. Hanoi hat eine ältere Geschichte als Saigon (Ho-Chi-Minh-City). Sie geht über 1.000 Jahre hinaus und Saigon kann gerade mal 300 Jahre aufweisen. Dafür ist Saigon die moderne, neuere und irgendwie jünger Stadt. Das Essen in Saigon ist auch ganz anders, die Saigoner essen süßer, mehr Zucker. Viele Leute, die vom Norden in den Süden umziehen, haben große Probleme damit. Außerdem ist der Akzent im Süden ein ganz anderer als im Norden. Ich bin der Meinung, dass der Akzent im Süden “softer” und “süßer” ist.

Welche drei Punkte beschreiben deiner Meinung nach Ho-Chi-Minh-City am besten?

  1. Die Freundlichkeit: die Leute hier sind sooo freundlich und hilfsbereich. Man hat keine Schwierigkeit sich hier an das Leben zu gewöhnen.
  2. Das Essen: Saigon ist die Welt des leckeren Essens, man kann in jeder kleinen Ecke was leckeres und günstiges zum Essen finden.
  3. Zentrum für Vietnam-Reisende: von Saigon kann man ganz einfach in anderen Städte fahren, oder an die Küste. Sollte man die Nase voll haben, geht es einfach mit dem Bus zum Mekong Delta oder ans Meer.

Wir finden das Ho-Chi-Minh-City die modernste Stadt in Vietnam ist. Du hast es oben im Interview ebenfalls bestätigt.
Kannst du erklären, warum das so ist? 

  • Ja, da stimme ich euch zu. Hier gibt es viele neue Gebäude, neue und moderne Autos (auch Deutsche). Viele Leute behaupten, dass die Stadt gerade in der Nacht aussieht wie Hong Kong oder New York City mit ihren Wolkenkratzern, natürlich im Asia-Style. Das höchste Gebäude heißt “Bitexco”, mit einer Höhe von 262 Metern. Vom 49. bis 52. Stock hat man eine schöne Ausblick auf die Stadt. Leider werden hier im ansässigen Restaurant enorm hohe Preise verlangt.

Wie gefällt dir das Leben in dieser Stadt? Fühlst du dich hier wohl und könntest du dir vorstellen hier zu bleiben?

  • Mir gefällt die Stadt sehr gut. Wie gesagt, die Leute hier sind sehr hilfsbereit und freundlich. Ich habe bis jetzt kaum Schwierigkeiten mit meinem Leben in Saigon gehabt. Allerdings ist mir die Stadt manchmal schon ein wenig zu chaotisch und laut. Über 10 Millionen Einwohner quetschen sich über die Straßen und es entsteht ein riesengroßes Chaos was sich durch die gesamte Stadt zieht.

Wo liegt der größte Unterschied zwischen dem leben in Ho-Chi-Minh-City und deinem Heimatort?

  • Ich komme ursprünglich aus einem kleinen Dorf auf dem Land, welches nur ca. 9.000 Einwohner hat. Es gibt kaum Autos oder größere Gebäude. Die Leute sind irgendwie “altmodisch” und das Leben ist daher auch viel ruhiger als in Saigon.

 

MENSCHEN

Was ist typisch vietnamesisch?

  • Wahrscheinlich die Freundlichkeit der Menschen. Dies hängt aber auch von dem Ort ab. Die Menschen aus den Städten passen sich der westlichen Welt an. Sie leben modern, reisen viel und sind aufgeschlossen. Die Menschen aus den Dörfern sind dagegen eher verschlossen und und leben die alten Traditionen.

Wie würdest du einen normalen Local-Tag in Ho-Chi-Minh-City beschreiben? Welche Unterschiede gibt es zwischen jung und alt?

  • Der Alltag gestaltet sich ganz normal. Es geht zur Uni oder zur Arbeit, es gibt Mittagspausen zum Essen und abends geht es zu Freunden oder Familie. Junge Leute gehen öfter ins Café oder ins Kino mit Freunden, alte Leute bleiben am Abend lieber zu Haus. Generell bleibt die alte Generation gerne in ihrem gewohnten Umfeld, sie reisen wenig und haben lieber ihre Familien und Freunde um sich herum um sich über die neusten Storys zu unterhalten.

Wir sind hier – wie auch in anderen Teilen Vietnams – ebenfalls auf sehr freundliche Local´s getroffen. Die Freundlichkeit in HCMC hast du ja selbst schon angesprochen. Würdest du die Vietnamesen generell als freundlich, offen und neugierig bezeichnen? Oder hatten wir Glück?

  • Nein, dass war kein Glück sondern ist typisch für Vietnam.

Gibt es große Unterscheide zwischen arm und reich in der Stadt bzw. auf dem Land? Wie wird damit umgegangen?

  • Der größte Unterschied ist, wie die Armen und Reichen das Leben verbringen. Die wenigen Reichen verwenden ihr Geld, um teure Sache zu kaufen. Sie verreisen nach Dubai, Amerika oder nach London und verwenden tausende Dollar dafür, wohnen in Luxushäusern, die man nur im Film oder im Traum sehen kann und fahren mit tollen Autos rum und protzen gerne. Die vielen ärmeren Leute sind immer sparsam, keine Reisen und keine sinnlose Verschwendung. Manche Leute haben kein Haus und noch schlimmer, kein Essen. Dies finde ich gerade in der heutigen Zeit besonders schlimm!

 

REISEN & TOURISMUS

Was sollte man in Ho-Chi-Minh-City unbedingt sehen? Gerne auch völlig untouristische Orte.

  • Die kleinen alten Gasse mit alten Wohnungen aus den 1970 Jahren. Besonders ist auch der Blick von einem der Wolkenkratzer auf die Stadt. Wer “Distrikt 7” besuchen möchte, wird hier ganz klar den Unterschied zwischen Armut und Reichtum sehen.

Welche drei Dinge sollte man in Ho-Chi-Minh-City auf keinen Fall verpassen?

  1. Das Essen auf keinen Fall.
  2. Am Abend/Nacht ein bisschen im Stadtzentrum spazieren um eine ruhige Stadt zu sehen.
  3. Einmal auf einen heimischen Markt gehen um zu wissen, wie das Leben in Ho-Chi-Minh läuft.

Was sind deine absoluten Insider-Tipps für Reisende in Ho-Chi-Minh-City?

  • Man sollte sich ein wenig länger Zeit in Saigon nehmen um die Stadt richtig zu verstehen und zu besichtigen. Viele Touristen finden die Stadt zu laut und chaotisch, deswegen bleiben sie nur ganz kurz hier und besuchen nur die Touristenorte. Besucher sollten versuchen, die Stadt am Tag und am Abend zu sehen. Sich einfach durch die Gassen treiben lassen oder einfach mal in einen Bus einsteigen und um die Stadt herum fahren. Man kann sich nicht verfahren die letzte Haltestelle ist immer im Zentrum.

Wie empfindest du generell den Tourismus in der Stadt? Uns ist aufgefallen das hier viel mehr Touristen sind als z.B. in Hanoi.

  • Ja das stimmt, es gibt hier viel mehr Touristen als in Hanoi. Meiner Meinung nach kann man hier auch viel mehr erleben. Und wie gesagt, von hier geht es einfach ans Meer oder sogar bis nach Kambodscha.

Würdest du selbst gerne mal nach Europa oder Deutschland reisen oder warst sogar schon mal dort?

  • Natürlich will ich nach Europa reisen und auch Deutschland besuchen. Leider ist es dazu noch nicht gekommen, aber ich arbeite fest an meinem Traum.

 

KULINARISCH

Welches Essen sollte man auf keinen Fall verpassen?

  • Banh Mi (Vietnamesische Baguettes), Goi cuon (Frische Springrolls), Bun Bo Hue (unterschiedlich zu Pho, obwohl beides ist Rindfleisch in Nudel-Suppe), Com tam (nur in Saigon) , Pho (am besten in Hanoi).

Gibt es ein typisches Gericht in Ho-Chi-Minh-City?

  • Com tam (gebratenen Reis mit gegrilltem Schweinefleisch). Dieses Gericht ist typisch für Saigon. Wichtig ist die Fischsoße, mit der das Gericht verfeinert wird. Beliebt ist das Gericht nur hier und sonst in keinem anderen Ort in Vietnam.

 

“FREESTYLE”

Gibt es noch etwas, was du gerne loswerden möchtest?

  • Es kommt oft auf die Art und Weise an, wie man ein Land oder Ort besucht um sagen zu können, ob es schön dort ist oder nicht. In allen Städten gibt es Gutes und Schlechtes. Wenn man aber mit einer positiven Einstellung an die vermeintlich schlechten Sachen geht, könnten daraus unvergessliche Erlebnisse werden. Egal wo, es gibt immer mehr als in den Reiseführern steht. Wer sich an die Locals hält, wird die tollen Sachen sehen und besten Erfahrungen machen.

Ich wünsche euch weiterhin eine unvergessliche Reise und freue mich wenn wir uns in Europa wieder sehen!

 

DANKE

“Liebe Vanni, vielen Dank, dass du dir Zeit für dieses Interview genommen hast. Es war toll dich kennengelernt zu haben. Du hast die Zeit in Ho-Chi-Minh-City zu einer ganz besonderen für uns gemacht. Wir wünschen dir viel Erfolg bei deinen weiteren Plänen, insbesondere bei deiner Weiterbildung, der Bewerbung auf die Freiwilligen-Position bei der UNO in Genf und vor allem für deinen Traum nach Europa und Deutschland zu reisen! Wir hoffen, dass wir uns irgendwann mal wieder sehen. Vielleicht ja in England, Deutschland oder Genf!? Wir sind uns eigentlich sicher… Bei uns bist du jederzeit Herzlich Willkommen!”

Ho-Chi-minh-City | local interview

– Danke für die tolle Zeit mit dir in Ho-Chi-Minh-City –

 

Wir könnten Vanni stundenlang weiter interviewen, so wie wir es auch in den Straßen von Ho-Chi-Minh-Citiy´s gemacht haben. Das würde allerdings den Rahmen des Interviews sprengen. Wenn du Vanni´s Antworten ebenso immer weiter zuhören bzw. davon lesen könntest, dann hinterlasse uns doch die Fragen, die dir auf den Lippen brennen, in den Kommentaren. Dann machen wir ganz bald bestimmt einen Teil II des “Ho-Chi-Minh-Citiy local intertwiews” oder zu einem anderen Thema mit ihr.

 3 Minuten Impressionen: “Ho-Chi-Minh-City: Big City & local life”

 

Hier geht’s nach Vietnam